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Träumen ist mir das Wichtigste an meinem Hobby: Bereits in Gedanken male ich mir aus, wie ich Schritt für Schritt einen Wagenbausatz anpacke und schon fahren die virtuellen Wagen auf ihren Schienensträngen durch märchenhafte Modellwelten. Oder ich studiere einen Gleisplan und plötzlich tauchen da Landschaften mit Häusern und Bäumen auf, zwischen denen sich ein Zug hindurchschlängelt. Eine ächzende Brücke, über die ein langer Güterzug rumpelt. Ein steiler felsiger Berg, dessen Flanke entlang eine prustende und schnaubende Dampflok mühsam ihre schwere Last hinaufzieht...
Modelleisenbahnen faszinieren mich bereits seit meiner frühsten Kindheit. Da kann ich mich noch schwach an eine batteriebetriebene VT 11.5 aus Blech erinnern, die ihre Kreise auf einem Schienenoval mit Kartonschwellen drehte. Dann bekam ich im Kindergartenalter von meinem Vater auf Weihnachten eine Märklin-Startpackung geschenkt. Stundenlang konnte ich mit dem kleinen Dampfzüglein spielen, bis ich mich wie durch Zauberhand verkleinerte, in einen der vorbeifahrenden Wagen setzte und in die grosse weite Traumwelt hinausreiste... > Kurzversion...
Im Nachhinein betrachtet faszinierten mich bereits damals beim Durchblättern der Märklin-Prospekte immer wieder die rot-silbrigen F7-Dieseldoppelloks der Santa Fe am meisten. Wie auch die wenigen abgebildeten vierachsigen Güterwagen nach amerikanischem Vorbild. Vor allem der silbrige mit der grossen orangen Feder hat es mir jeweils angetan! Aber mir fehlte die Motivation wie auch das nötige Kleingeld, um mir eines dieser Modelle zu kaufen.
Später, im Alter von etwa zwölf oder dreizehn Jahren, lieh ich mir in der Bibliothek ein Buch über Modelleisenbahnen aus. Und zwischen all den Abbildungen nach europäischem Vorbild, wo immer alles blitzsauber war und nach Kunststoff glänzte, stiess ich auf ein paar Fotos von John Allen: die Fahrzeuge schmutzig und verwittert, die Häuser windschief und staubig, die Landschaft durchgestaltet vom Fussboden bis unter die Decke, durchwoben von meterhohen Brücken, mit langen Güterzügen in tiefen Schluchten, einer Hafenstadt mitsamt Industriezone und Wolkenkratzern vor einem realistisch gemalten Wolkenhimmel... Eine neue Dimension eröffnete sich für mich und ebnete den Weg für den Virus "American Model Railroad".
Während meiner Berufsausbildung als Typograf hatte ich die Möglichkeit in Zofingen die erste H0-Clubanlage der Schweiz nach amerikanischem Vorbild zu besuchen. Der Zufall wollte es, dass just an diesem Abend eine nigelnagelneue K-27 der Denver & Rio Grande Western in Spur 0n3 auf einem Testgleis hin- und hergefahren ist, und dass mir mein Gastgeber auch noch das dicke Buch "Silver San Juan" über die schmalspurige Rio Grande Southern mit nach Hause gab. Nach zweimaliger Durchsicht war ich nun endlich reif für einen modellbahnerischen Themen- und Spurwechsel. Seit dieser Zeit bin ich nun der "Rocky Mountain Narrow Gauge" sei es als Vorbild oder als Modell über drei Jahrzehnte lang treu geblieben.
Zum Schluss lass ich stellvertretend Malcolm Furlow erklären was ich in meinem Herzen fühle: "Hier muss ich zugeben, dass meine Auffassung vom Modellbau auf einem schmalen Grat zwischen Fantasie und Vorbildtreue wandert. Das Colorado, das ich mich nachzubilden bemühe, entspricht meiner persönlichen Vorstellung, wie Colorado wirklich aussieht. (...) Die Faszination der Modelleisenbahn geht weit über die mechanische Funktion des Gleitens von Metallrädern auf Metallschienen hinaus und liegt wahrscheinlich irgendwo zwischen Fantasie und dem Geheimnisvollen. (...) Der Modellbahnkenner trachtet ja immer danach, seine Persönlichkeit irgendwie in sein Werk einfliessen zu lassen..."
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